Gutes Spielzeug braucht keinen Strom

Warum der Hirnforscher Manfred Spitzer von Elektronikware wenig hält und Kinder nicht an Computer und Konsolen lassen will.

Prof. Manfred Spitzer - Bitte ohne Strom Und was schenkt man den Kleinen? Einen Computer, ein Videospiel, eine Konsole? Oder ein Keyboard? Oder doch lieber einen Fernseher mit Flachbildschirm (wegen der geringeren Strahlung)? Wegen der Strahlung vielleicht auch besser kein neues Handy? - Fragen über Fragen. Im Grunde ist die Sache leicht, denn ich möchte Ihnen einen ganz einfachen Tipp geben. Wenn Sie ihn beherzigen, so meine Argumentation, können Sie nicht mehr viel falsch machen: Was immer Sie schenken, achten Sie darauf, dass es keinen Stromverbraucht....

Ich erteile diesen Rat nicht wegen des steigenden Energieverbrauchs, der dadurch  entstehenden Treibhausgase oder des noch nicht unterschriebenen Kyoto-Protokolls - wenn ich auch froh bin, dass mein Tipp in dieser Hinsicht einen Zusatznutzen  darstellt. Nein, es geht mir um die Kinder, die die Geschenke erhalten.

Bei Musikinstrumenten liegen die Dinge auf der Hand: bitte ohne Strom. Der Grund ist einfach. Man muss Töne formen können, mit den Händen oder mit dem Mund, damit überhaupt ein Gefühl dafür entsteht. Ein elektronisches Keyboard ist dagegen nichts als ein Klapperkasten mit einer Menge Schaltern dran, bei deren Bedienung aus dem Lautsprecher irgendein Krach kommt.
Der Unterschied könnte nicht größer sein. Manche meinen, dass es sich an einem Keyboard leichter lernt. Nicht zuletzt, weil alles gleich so toll klingt, ein Rhythmus dabei ist und eine Bassbegleitung ebenfalls.
Genau aus diesem Grunde aber lernt man am Keyboard nicht so gut wie an einem Klavier. Das Klavier liefert eine bessere Rückmeldung darüber, was man selbst gemacht hat, es reagiert sensitiver und lügt nicht. Auch gaukelt es nichts vor.
Jeder Lernende braucht solch ein genaues Feedback. Eine Klangsoße braucht er nicht.

Ein Fernsehapparat im Kinderzimmer schadet einem Kind enorm. Das oft gehörte Gegenargument: Das Kind muss mit den Medien umgehen lernen, muss selbst entscheiden können und dürfen, weiß selbst am besten, was gut für es ist. Leider sind diese Argumente falsch.
Wir erlauben den Konsum illegaler Drogen nicht,weil man schon beim Erlernen des Umgangs mit ihnen süchtig werden kann; das heißt, wir schützen unsere Kinder durch Verbote.
Nicht anders muss man beim Fernseher verfahren, denn Kinder essen ja auch viel zu viel Süßigkeiten, wenn man sie lässt. Das tun sie, weil die Evolution sie darauf programmiert hat. Wer vor hunderttausend Jahren bei Honig abgewunken hat, starb bei der nächsten Hungerperiode. Wir stammen also von den Kindern ab, die Honig gut fanden.
Aber heute leben wir nicht mehr mit Hungerperioden, deswegen kann zu viel Zucker schädlich sein. Besonders für Kinder.

Und zu viel Fernsehen ist es auch, aus dem gleichen Grund. Wer meint, dass sein Sohn am Computer nur Französisch-Vokabeln trainiert, der kaufe ihm zum Fest der Liebe einen PC.
Wer dies aber nicht 100-prozentig garantieren kann, der lasse es bleiben, sonst schenkt er eine Maschine, mit der unter Verwendung komplexer Tötungstrainigssoftware das Gegenteil von Liebe geübt wird: wie man jemanden gewissenlos und mit viel Spaß abschlachtet.
Studien haben gezeigt, dass die Benutzung eines Computers Jugendliche nicht klüger macht, sondern dümmer. Blieben das Handy und die Spielekonsole. Letztere macht Kinder nicht glücklicher, sondern wie das Fernsehen dick, dumm und gewalttätig. Hände weg! Und das Handy entwickelt sich immermehr zu einem Objekt, mit dem man spielen und - ohne es zu merken - sehr viel Geld ausgeben kann. Clevere Geschäftsleute verführen die lieben Kleinen zum Kauf von Abonnements, die niemand will, selbst die Kleinen nicht. Also nochmal: Schenken macht Spaß, vor allem dann, wenn man es mit gutem Gewissen tun
kann, das  heißt mit dem Gedanken, dass der Beschenkte keinen Schaden leidet. Wer dies vermeiden will, für den wiederhole ich gern den Tipp: Was immer es ist - ohne Strom, dann liegen Sie richtig.

 

Quelle: http://www.toy.de/news/index691.html

 

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